Meyerholds »uslovnyj teatr« oder Groteske auf dem Scheitelpunkt. Theaterkunst zwischen Russland und Europa in der Moderne des 20. Jahrhunderts (Arbeitstitel)

Die Dissertation befasst sich mit der osteuropäischen Theateravantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zentraler Gegenstand dabei ist die Tätigkeit des russischen Regisseurs und Theatererneuerers Vsevolod Ė. Meyerhold und seine hierfür grundlegende Konzeption des »uslovnyj teatr«, welche er 1912/13 in seinem Hauptmanifest »Balagan« (Jahrmarkttheater) formulierte. Den Ausgangspunkt und Rahmen bildet eine exemplarische Inszenierungsarbeit Meyerholds in Moskau 1926, die einen äußerst scharf ausgetragenen Theaterskandal auslöste und damit gleichzeitig den kritischen Moment einer an der Schwelle zum Stalinismus stehenden Gesellschaft markiert. Die Analyse richtet sich auf die einzelnen unterschiedlichen Bedeutungsebenen der »uslovnost’« und möchte – gemäß einem »Narrativ der Gleichzeitigkeit« – aufzeigen, welche experimentellen und historisch-theoretischen Forschungsleistungen notwendig waren, um ihre methodischen Forderungen in der Theaterpraxis einzulösen. Die Untersuchung soll Aufschluss geben über die immense Durchschlagskraft der von Meyerhold praktizierten Theaterkunst, die sich im Kern durch »Groteske« als Stil der Schauspielkunst kennzeichnet.

Maria Koch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandenförderplatz) am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig.