Traditioneller Fortschritt. Die elektrische Moderne im provinziellen Hoftheater

Das Dissertationsvorhaben befasst sich mit der Technisierung und Elektrifizierung des Hoftheaters Stuttgart, also einem höfischen Theater abseits der großen Metropolen, um 1900. Das neue elektrische Licht wird in dieser Zeit mit Bedeutung aufgeladen, wird mit Konzepten von sozialem und kulturellem Fortschritt und bürgerlichem Zukunftsoptimismus verknüpft. Zugleich treten jedoch Zukunftsängste und ein Festhalten am Bestehenden auf. Der Elektrifizierungsprozess des Theaters führt daher zu einer Kontroverse in der Stadtgesellschaft und ist nur im Kontext der Entwicklungen in der Stadt ‒ wie z.B. elektrische Straßenbahnen, Straßenbeleuchtungen, nächtliche Großstadtvergnügungen ‒ nachvollziehbar. Daher spürt die Arbeit besonders der Korrelation zwischen (Hof-)Theater und Stadt nach, um aufzeigen zu können, inwiefern in dieser Umbruchszeit der Modernisierung auch neue Weltbilder, Konzepte und Imaginationen über die Stadt und ihre Gesellschaft entstehen, die sich u.a. über das Theater formulieren. Die Arbeit geht insbesondere der Frage nach, inwiefern das technisierte Theater als Vehikel für die Transformation der Stadt zur modernen Großstadt wahrgenommen wurde.

Miriam Höller ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München. Das Projekt ist Teil des von der Volkswagen-Stiftung geförderten Forschungsprojektes „Energien des Spektakels. Zur Theatralität der Elektrizität und der Elektrifizierung des Theaters, 1870-1930“.

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